Ruhelosigkeit und Zweifel als Widerstand und Ratgeber

Achtsames Sitzen findet sowohl auf meinem Meditationskissen als auch an meinem Schreibtisch oder im Behandlungszimmer statt.

Es unterstützt mich bei Alltagsentscheidungen, auch und gerade dann, wenn diese etwas Zeit benötigen, um sich herauszukristallisieren.

In den vergangenen Wochen habe ich immer häufiger eine Ruhelosigkeit bemerkt. Ich fühlte mich immer ein bisschen so, als hätte ich etwas Dringendes zu erledigen, würde hinter meinem Soll herlaufen. Es schien, als wäre ich ständig in Gefahr, etwas zu vergessen.

Meine Meditationspraxis trug dazu bei, dass ich aufmerksam wahrnehmen konnte, wo sich diese Ruhelosigkeit formt, wie sie sich verändert und was in Zusammenhang mit ihr auftritt.
Mit zunehmender Häufigkeit bildete sich ein Zweifel:

  • Macht es überhaupt Sinn, meinen Newsletter zu schreiben?
  • Bin ich kompetent genug, um in meinem Kurs über die Vorzüge einer eigenen Achtsamkeitspraxis als Psychotherapeut*in zu sprechen?
  • Gibt es nicht viel geeignetere Lehrer*innen, Trainer*innen und Mentor*innen als mich, der ich doch erst seit knapp fünf Jahren praktiziere und mich somit nicht gerade als erfahrener Lehrer bezeichnen kann?

Dass das alles auch Fragen sind, die dazu geeignet sein können, mich weiterzuentwickeln, wie z.B. mit meiner im Januar 2027 endenden Ausbildung zum Meditationslehrer, ließ mich nicht vorschnell aufgeben, sondern weiterforschen.

Ruhelosigkeit als Widerstand gegen Entscheidungen

Ich kenne diese Ruhelosigkeit aus verschiedenen Phasen meines Lebens. Die Erkenntnis, dass Ruhelosigkeit eines der fünf Hindernisse oder Widerstände ist, die nach der Lehre der buddhistischen Psychologie das Funktionieren des Geistes behindern, verhalf mir im aktuellen Fall dazu, mich ihrer Untersuchung mit ein bisschen mehr Gelassenheit zuzuwenden.

Unter ihrem Einfluss ist es nach dieser Lehre nicht mehr möglich, wirklich zu verstehen, was zum eigenen Guten oder zum Guten anderer ist, oder Konzentration und Einsicht zu erlangen.

Letztlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass meine Arbeitsbelastung immer häufiger solche Zustände von Ruhelosigkeit und Zweifeln hervorruft. Das heißt, dass diese Belastung aktuell einfach zu hoch ist.

Ich muss und will Entscheidungen treffen.

Was ich zugleich spüre, ist der Wunsch, mich noch eingehender der eigenen Meditationspraxis zu widmen. Darum werde ich im Oktober und November ein „Teilzeit-Home-Retreat“ machen.

Unter der Überschrift „A Way Through Darkness – Powerful Practices for Turbulent Times“ wird über sechs Wochen ein Online-Retreat mit regelmäßigen Meditationszeiten und zwei Life-Calls mit Pema Chödrön stattfinden, das sich dafür gut eignet.

Daneben werde ich mich der Überarbeitung der mittlerweile über 50 Beiträge widmen, die ich seit 2024 im Newsletter veröffentlicht habe. Beim erneuten Durchlesen entstand der Wunsch, diese zu aktualisieren, mit Quellenverweisen zu ergänzen und besser miteinander zu verlinken.

Ich habe bereits damit begonnen, sie in einen Zusammenhang zu bringen, der es meinen Leser*innen leichter macht, sich darin auch als Teil meines Lernportals Anregungen zu holen, die ich in meinen aktuellen Newsletter-Ausgaben nicht immer wiederhole.
Auch das benötigt Zeit, die ich jedoch für sinnvoll investiert halte.

Das bedeutet, dass ich vorerst für Herbst und Winter meinen Newsletter einmal statt zweimal pro Monat veröffentlichen werde, und zwar ab dieser Ausgabe an jedem zweiten Samstag des Monats.

So wird auch die zweite Auflage meines Kurses erst im Frühjahr 2027 stattfinden, und nicht wie bisher geplant jetzt im Herbst.

Die über 30 Leser*innen, die sich bereits auf die Warteliste eingetragen haben, werde ich noch in einer gesonderten Email darüber informieren.

Und nicht zuletzt werde ich in diesem Jahr meine psychoanalytische Praxis für den ganzen Dezember schließen, um mich von einem arbeitsreichen Jahr zu erholen.

Achtsamkeit kommt aus einem stark entwickelten Bewusstsein für die eigenen körperlichen und verbalen Handlungen.
Dalai Lama

Ich hoffe, Ihnen auch mit diesem geänderten Format eines monatlichen Newsletters weiterhin von meinen Erfahrungen aus der Achtsamkeitspraxis eines Psychoanalytikers berichten zu dürfen.

Und jetzt: in die Praxis.

Mit herzlichem Gruß aus Wuppertal,
Sönke Behnsen

behnsen.com icon

Praxis der Präsenz

Lesen Sie an jedem zweiten Samstag des Monats meine Erfahrungsberichte, thematischen Vertiefungen und Buch-Empfehlungen aus meiner Achtsamkeitspraxis als Psychotherapeut und Psychoanalytiker.

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