-

·
Zielorientiert oder prozessorientiert?
Was motiviert Sie dazu, etwas zu unternehmen, zu handeln? Ein Ziel, das Sie erreichen möchten, oder das Tun „an sich“, als Ausdruck einer Entscheidung, einer Praxis und einer Haltung?
-
·
Von der Fähigkeit, nicht reaktiv zu handeln
Wenn wir unter Druck stehen, reagieren wir schnell und impulsiv auf innere oder äußere Reize. Wir fühlen uns in eine Richtung gedrängt, wollen einen unangenehmen Zustand beenden oder einen angenehmen Zustand, den wir zu verlieren drohen, festhalten. Das ist nicht immer sinnvoll, mitunter eher ein Ausdruck von Abhängigkeit, wenn wir uns an solche drangvollen Befriedigungen oder Kontroll- und Vermeidungsreaktionen gebunden fühlen. Wie können wir aber darauf Einfluss nehmen? Wie können wir die innere Fähigkeit entwickeln, statt einer solchen impulsiven Reaktion nicht zu handeln, sondern zu entscheiden, was wir wirklich wollen, um dann besser handeln zu können als aus der Reiz-Reaktions-Kette…
-
·
Was ist meine Bestimmung?
Es klingt nach einer pathetischen Frage, aber manchmal kommen solche Fragen ja „ungefragt“ auf, und dann sehen wir uns plötzlich mit Gedanken darüber konfrontiert, womit wir eigentlich unseren Tag verbringen möchten, was uns das Gefühl gibt, „ganz“ zu sein, „in unserem Leben“ zu sein oder bei jemand, etwas oder gar uns selbst „anzukommen“. Gestern war so ein Tag, an dem mir diese Frage gleich in mehreren Behandlungsstunden mit meinen Patient*innen begegnet ist. Auch in meiner Morgenmeditation und beim morgendlichen Schreiben konnte ich Aspekte davon erkennen, die mich jetzt darüber nachdenken lassen, warum es eigentlich so selten passiert, dass ich mich…
-
·
Inspiration – Intention – Aktion
Aus meiner heutigen Meditationspraxis: Diese Abfolge von Inspiration, Intention und Aktion bringt immer wieder bedeutsame Veränderungen hervor. Die Inspiration ist der zündende Funke, der uns zu etwas hinzieht und uns damit neugierig auseinandersetzen lässt. Das war für mich heute erneut das Wort „Verweilen“ als Übersetzung des Verbs „viharati“, durch das Adriaan van Wagensveld in seinen Vipassana-Meditationen immer wieder den Begriff der Meditation füllt. Die Intention beschreibt dann jedoch den absichtsvollen Teil der Beschäftigung. Wir wollen etwas auf eine bestimmte Art und Weise erforschen, unseren Nutzen daraus ziehen oder etwas entwickeln. Die Intention richtet unser Handeln auf dieses Anliegen aus. Dabei…
-

·
Gesteuertes Denken?
Als Psychoanalytiker tue ich mich immer wieder ein bisschen schwer mit der Idee, Gedanken zu steuern. Wenn ich von Affirmationen höre, die mir etwas Positives verschaffen sollen, nur dadurch, dass ich es regelmäßig ausspreche, um es (sozusagen mechanisch) zu verinnerlichen, dann bin ich skeptisch. Aus meiner Erfahrung in der Arbeit mit Patient*innen mit affektiven und strukturellen Störungen weiß ich, wie oft sich Stimmungen und Gefühle als die wirklich wirksamen Faktoren sowohl unseres Handelns als auch unseres Selbstgefühls herausstellen. Meine ersten Erfahrungen mit Meditationstechniken in der Vipassana-Tradition, wie der Lovingkindness-Meditation machten mich also skeptisch. Wenn es z.B. darum geht, mir jemand…
-

·
Was ist der gesundheitliche Nutzen von Meditation?
Meditation ist Teil verschiedener spiritueller Traditionen. Heute meditieren viele Menschen unabhängig von diesen Traditionen und betrachten Meditation vor allem als Entspannungsverfahren, um Ruhe im Alltag zu spüren oder sich des eigenen Seins bewusster zu werden. Auch die günstigen Auswirkungen von Meditation auf die seelische und körperliche Gesundheit werden in Medienbeiträgen zur gesunden und bewussten Lebensführung immer wieder beschrieben. Aber was ist dieser gesundheitliche Nutzen von Meditation eigentlich genau? Ich habe einmal begonnen, zu recherchieren, und habe viele Hinweise gefunden, die ich hier in einer Art Zwischenstand meiner Recherche, die ich zunächst mit Hilfe eines neuen, digitalen Recherche-Tools durchgeführt habe, zur…
-
·
Zur Ruhe kommen. Nichts tun
Ich lese gerade über das Arbeitsethos des Zen-Buddhismus. Die amerikanische Zen-Meisterin Roshi Joan Halifax schreibt darüber in ihrem Buch „Gratwanderung“ und meint, wie hilfreich eine gute Tätigkeit für uns selbst und die Welt ist. Dabei geht es um eine mit aller Aufmerksamkeit und einer wachen, offenen Haltung verrichtete Tätigkeit, die uns und der Welt Energie gibt. Aber sie schreibt auch davon, wie wichtig es ist, zur Ruhe zu kommen. In der Zen-Meditation treffen sich Ruhe und die wache, offene Haltung. Auch im Schlaf sammeln wir unsere Kraft. Und in einer mit Achtsamkeit verrichteten Tätigkeit, die uns eine Herzensangelegenheit ist. Die…
-

·
Vom Stellenwert der Selbsterfahrung in der Psychotherapie
Ich arbeite als Psychotherapeut nur mit Techniken, Mitteln und Verfahren, die ich in meiner Selbsterfahrung kennengelernt habe. Dadurch habe ich ein ganz eigenes Gefühl dafür, kann mich besser hineinversetzen darin, wie es sich für meine Patient*innen anfühlt. Es entsteht ein durch die Selbsterfahrung gebildeter, eigener Resonanzraum, den ich für meine therapeutische Tätigkeit nutzen kann, und nicht missen möchte. Ich schätze den Stellenwert der Selbsterfahrung in der Psychotherapie darum auch für die Wirksamkeit meiner Behandlungen sehr hoch ein. „Du kannst der Sache der Transformation und der Heilung nur dienen, wenn du Transformation und Heilung in dir selbst praktiziert hast. Du kannst…
-
·
Wohin mit dem unveränderlichen Rest nach der Psychotherapie?
Was geschieht, wenn Psychotherapeut*in und Patient*in feststellen, dass ein Teil dessen, was sie auflösen oder überwinden wollten, bestehen bleibt? Was heißt das für den Umgang mit leidvollen Erfahrungen, die sich als unabdingbarer Bestandteil unseres Lebens erweisen? Gibt es Hoffnung darauf, dass sich nachhaltige Veränderungen durch Psychotherapie erreichen lassen, egal welcher Schulrichtung wir angehören, auch wenn sich an den Inhalten leidvoller Erfahrungen nichts Grundlegendes verändern wird, und der Umstand an sich, dass also leidvolle Erfahrungen dazu gehören, ebenso unabänderlich bleibt? In der buddhistischen Psychologie finde ich einen Umgang mit leidvollen Erfahrungen, der geprägt ist von Akzeptanz und Offenheit für das, was…